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„Können wir in den ersten fünf Minuten explodieren?“ – Matt Damon über Netflix’ neue Filmregeln

19. Jan. 2026
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Filme konkurrieren heute nicht mehr nur mit anderen Filmen, sondern auch mit Benachrichtigungen, Chats und Social Feeds. Streaming-Dienste reagieren auf dieses veränderte Nutzungsverhalten zunehmend mit klaren Vorgaben an Inhalte. Wie konkret diese ausfallen können, zeigen jetzt Aussagen von Matt Damon und Ben Affleck. Im Zuge der Promotion ihres neuen Netflix-Thrillers „The Rip“ geben die beiden Hollywood-Stars ungewöhnlich offene Einblicke in Gespräche mit dem Streaming-Riesen – und zeichnen ein Bild davon, wie stark das Smartphone inzwischen kreative Entscheidungen beeinflusst.

„Die Leute sind am Handy“ – warum Netflix Filme schneller machen will

Im Gespräch mit dem Joe Rogan Experience Podcast, aus dem unter anderem IGN zitiert, beschreibt Matt Damon einen grundlegenden Wandel in der Dramaturgie moderner Streaming-Filme. Klassische Drei-Akt-Strukturen mit einem großen Finale am Ende gelten intern offenbar als Risiko. Netflix wünsche sich stattdessen frühe Höhepunkte, um die Aufmerksamkeit der Zuschauer sofort zu binden.

Damon erklärt: „Die Standard-Methode, einen Actionfilm zu drehen, sah normalerweise drei große Set-Pieces vor. Heute heißt es: ‚Können wir eine große Szene in den ersten fünf Minuten haben? Wir wollen, dass die Leute dranbleiben.‘“ Der Hintergrund ist klar: Wer zu Beginn nicht gepackt wird, greift schnell zum Handy – oder schaltet ganz ab.

Noch weiter gehen laut Damon Eingriffe in die Dialoggestaltung. Netflix rege an, zentrale Handlungselemente mehrfach zu wiederholen, um auch Zuschauer mitzunehmen, die nur mit halber Aufmerksamkeit dabei sind. Wörtlich sagt er: „Es wäre nicht schlecht, wenn ihr die Handlung drei- oder viermal im Dialog wiederholt, weil die Leute während des Zuschauens an ihren Handys sind.“

„Man muss nicht tun, was der Algorithmus will“ – Afflecks Gegenbeispiel

Ben Affleck bewertet diese Entwicklung differenzierter. Zwar erkennt auch er die Realität veränderter Sehgewohnheiten an, verweist jedoch auf erfolgreiche Gegenentwürfe innerhalb des Netflix-Kosmos. Als Beispiel nennt er die Miniserie „Adolescence“, die mit langen Plansequenzen, wenig Erklärdialogen und ruhigem Erzähltempo arbeitet – und dennoch ein großes Publikum erreicht.

Affleck sieht darin einen Beweis, dass Qualität und Vertrauen in die Zuschauer weiterhin funktionieren können. „Es demonstriert, dass man nicht das tun muss, was [Netflix] will, um Zuschauer anzuziehen und zu halten“, so der Schauspieler und Produzent.

Ironischerweise steht „The Rip“, bei dem Damon und Affleck nicht nur vor der Kamera, sondern auch als Produzenten tätig sind, genau zwischen diesen Polen. Regisseur Joe Carnahan setzt weniger auf Dauer-Action als auf dichte Atmosphäre und Paranoia. Der Film kommt bei Kritikern solide an und zeigt, dass selbst innerhalb klarer Plattform-Vorgaben noch Spielraum für klassische Spannung und Zurückhaltung bleibt.

FAQ zu Netflix, Smartphones und neuen Filmvorgaben

Warum greift Netflix in Filmstrukturen ein?
Weil viele Zuschauer parallel ihr Smartphone nutzen und Inhalte sonst schnell abbrechen.

Was fordert Netflix konkret von Filmschaffenden?
Frühe Action-Momente und wiederholende Dialoge, um Aufmerksamkeit zu sichern.

Woher stammen die Aussagen von Matt Damon und Ben Affleck?
Aus dem Joe Rogan Experience Podcast, zitiert unter anderem von IGN.

Betrifft das nur Actionfilme?
Vor allem genrespezifische Stoffe, aber die Logik lässt sich auf viele Formate übertragen.

Gibt es erfolgreiche Gegenbeispiele?
Ja, etwa die Netflix-Serie „Adolescence“ mit ruhigem Erzählstil.

Ist „The Rip“ stark von Netflix-Vorgaben geprägt?
Der Film verbindet Plattform-Anforderungen mit klassischer Thriller-Inszenierung.

Verändert Streaming langfristig das Kinoerzählen?
Viele Branchenbeobachter gehen davon aus, dass Dramaturgie und Tempo weiter angepasst werden.

Bleibt kreativer Spielraum für Regisseure?
Ja, aber oft nur innerhalb klar gesetzter Rahmenbedingungen.

 
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